Ausstellung „Wider das Vergessen“ in Berlin eröffnet

Künstler und Architekt Leonid Lewin in der NRW-Landesvertretung

„Letzten Endes kommt es darauf an, dass wir unsere Herzen zu Orten der Erinnerung machen.“ Mit diesen Worten eröffnete Staatssekretär Michael Mertes am Mittwoch, 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, die Ausstellung „Wider das Vergessen! Gedenkorte in Belarus“ mit Werken des belarussischen Künstlers Leonid Lewin in der NRW- Landesvertretung in Berlin. 65 Jahre nach dem Kriegsende gelte es, neue Wege einer europäischen Erinnerungskultur zu ebnen – wie Leonid Lewin sie mit seinem Werk beispielhaft beschritten habe. Das IBB hatte diese Ausstellung in Kooperation mit der NRW-Landesvertretung in Berlin realisiert.

Unter den rund 200 Gästen begrüßte Mertes besonders Christina Rau, die Witwe des vor vier Jahren verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, der sich unter anderem auch für den deutsch-belarussischen Dialog eingesetzt hatte. Zu den Gästen zählten darüber hinaus der Botschafter der Republik Belarus, André Giro, sowie die deutschen Botschafter a. D. in Belarus Dr. Helmut Frick und Dr. Martin Hecker sowie Vorstandsmitglieder des IBB.

Der heute 73jährige Künstler und Architekt Leonid Lewin hat seit den 60er Jahren mehr als 20 Gedenkstätten in Belarus und Russland geschaffen, die die Tragödie des Krieges und des Holocaust symbolisieren und nachfühlbar machen. „Wenn ein Besucher die Gedenkstätte verlässt und vergisst, was er dort gesehen hat, habe ich mein Ziel verfehlt“, hat Lewin selbst seine künstlerische Intention beschrieben. Mehrere Preise, darunter der Leninpreis und das Bundesverdienstkreuz, belegen, dass sein Lebenswerk das selbst gesteckte hohe Ziel erreicht hat.

Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer der IBB gGmbH, vermittelte in seiner Ansprache einen Eindruck, von den Grundlagen und Prinzipien, die den unterschiedlich gestalteten Gedenkstätten von Leonid Lewin gemein sind und Menschen ansprechen, egal, woher sie kommen:

  • Leonid Lewin wählt Orte, an denen die Grauen damals passiert sind; seine Denkmale fügen sich in die jeweilige Landschaft ein.
  • Zeitzeugen sind wichtige Quellen für die Gestaltung seiner Gedenkstätten. Sie beschreiben, wie das Leben vor dem jeweiligen Massaker war und welche Verluste damit verbunden waren.
  • Menschen aus der jeweiligen Umgebung werden bei der Errichtung mit einbezogen.
  • Leonid Lewin bezieht Zeichen des Lebens in seine Denkmalsgestaltung mit ein.

Leonid Lewin, Vorsitzender der jüdischen Gemeinden in Belarus, sei aber nicht nur Architekt und Künstler, sondern auch ein Humanist und großer Menschenkenner, sagte Junge-Wentrup über einen langjährigen Wegbegleiter. „Es ist Leonid Lewin, der viele Brücken gebaut hat und heute immer wieder baut – zu den Menschen, die die NS-Zeit erleben mussten, zu den jüdischen Gemeinden und Organisationen, zu Menschen in den Verwaltungen und Administrationen und zu Menschen in Israel.“ Gemeinsam mit dem IBB habe er – auch in der Arbeit der Geschichtswerkstatt - den Blick seit vielen Jahren auf das gemeinsame Ziel gerichtet: „Die Geschichte des Vernichtungskrieges 1941 - 44 zu dokumentieren und ein Lernen aus der Geschichte zu ermöglichen, damit sich ein Krieg nicht wiederholen kann.“

„Die Tragödie des belarussischen Volkes hat mein ganzes Schaffen geprägt“, sagte Lewin sichtlich gerührt vom deutschen Interesse an seinem Lebenswerk. „Meine Arbeiten sind ein klares ‚Nein’ gegen den Krieg überall auf der Welt.“

Das IBB hatte Lewin bereits im Jahr 2008 das erste deutschsprachige Buch über sein Lebenswerk gewidmet. Das Buch „Architektur als Gratwanderung – Leonid Lewin – ein Werk als Brücke von Gedächtnis und Gegenwart“ kann beim IBB bestellt werden.

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